Ein neuer Alltag für die Pestalozzischule

Die Pestalozzischule in Soltau, die Kinder mit Sprachschwierigkeiten beim Schulstart begleitet, wird offene Ganztagsschule. Für die Nachmittagsbetreuung wünscht sich Schulleiterin Dr. Julika Kotzschmar ein Klettergerüst für die Erst- und Zweitklässler. Foto: at

Mit dem Recht auf Ganztagsbetreuung nähert sich die Pestalozzischule in Soltau erstmals den Bedingungen einer Grundschule an.

Zwar werden in der Sprachförderschule Erst- und Zweitklässler unterrichtet, doch die Einrichtung, die für den Norden des Heidekreises die letzte verbliebene staatliche Förderschule ist, hat keinen Grundschulstatus. So gab es bislang am Vormittag keine verlässliche Betreuung und auch am Nachmittag für die meisten der Schülerinnen und Schüler kein Hortangebot.

Generation Z ist mit im Boot

In Zusammenarbeit mit dem Soltauer Jugendhilfeträger Generation Z baut die Pestalozzischule nun ihr Ganztagsangebot bis 15 Uhr auf. Den Eltern werde nun eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht, den Kindern, die nachmittags in Kleingruppen betreut werden sollen, die Möglichkeit gegeben, miteinander zu spielen, Freunde zu gewinnen und selbstwirksam zu sein, so Schulleiterin Dr. Julika Kotzschmar.

„Wir haben ein kleines, feines Angebot und können uns sehr individuell an jedem Kind orientieren, damit es die Klassenziele wie in jeder anderen Grundschule erreicht.“

Der Antrag auf Ganztagsbeschulung sei vom Land genehmigt. In der vergangenen Woche befasste sich der Schulausschuss des Landkreises als Schulträger mit der Finanzierung.

An der Pestalozzischule werden derzeit 39 Schülerinnen und Schüler in den Klassen 1 und 2 unterrichtet. Eine Bedarfsabfrage ergab, dass die meisten Eltern Interesse an einem Ganztagsangebot für ihre Kinder haben. Obwohl der Rechtsanspruch für die 2. Klassen erst 2027 greift, sollen sie bereits jetzt einbezogen werden. „Das ist pädagogisch einfach sinnvoll“, erklärt Kotzschmar.

Um die geforderte tägliche Betreuungszeit von bis zu acht Stunden zu gewährleisten, sollen zusätzlich außerschulische Fachkräfte des Kooperationspartners eingesetzt werden. Die Schule hat dafür einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen.

Ganztagsangebot in den Schulräumen am Buchhopsweg

Das Ganztagsangebot soll in den Räumen der Pestalozzischule selbst stattfinden, dort wird auch das Mittagessen ausgegeben. Die Kinder sollen in ihren Gruppen jeweils eine feste Bezugsperson haben, um sich rundum sicher zu fühlen. Ergänzt wird das Personal um Praktikanten von den BBS Walsrode. In der Sprachförderschule arbeiten sechs Lehrkräfte.

Frühstücksraum wird Mensa

Um gut zu starten, soll der bisherige Frühstücksraum in einen Mensa-Bereich umgewandelt und entsprechend ausgestattet werden. Einen hohen Bedarf gibt es zudem im Außenbereich: Noch hat der teils asphaltierte Schulhof wenig Ganztags-Charme.

Ein Klettergerüst ist ein großer Wunsch

„Wir wünschen uns ein Klettergerüst“, formuliert die Schulleiterin den sehnlichsten Wunsch der Kinder. Jahrelang habe die Schule zumindest gefühlt auf gepackten Koffern gesessen, jetzt gebe es mittelfristig die Aussicht, am Standort zu bleiben: „Wir würden uns freuen, wenn investiert wird.“

Kosten von mehr als 64.000 Euro

Für das Ganztagsangebot an der Pestalozzischule entstehen im Schuljahr 2026/27 Kosten von rund 64.200 Euro. Das Land Niedersachsen übernimmt davon über sogenannte kapitalisierte Lehrerstunden rund 19.900 Euro. Der Heidekreis beteiligt sich mit etwa 44.300 Euro an der Finanzierung. In dem Betrag sind auch die Kosten für die Ausgabe des Mittagessens enthalten. Ab 2027 sollen die Mittel fest im Kreishaushalt eingeplant werden. Für das laufende Jahr sind anteilig rund 16.700 Euro vorgesehen.

Für die Sprachförderschule ist die Einführung des Ganztags ein wichtiger Schritt, denn viele Eltern wünschen sich seit Jahren mehr Zeit für Förderung und Betreuung.

Besondere Rolle in der Schullandschaft

Dabei nimmt die Einrichtung im Förderschulbereich des Heidekreises ohnehin eine besondere Rolle ein. Als letztes staatliches Förderzentrum mit dem Schwerpunkt Sprache im Nordkreis bleibt die Schule erhalten.

Grund dafür ist der spezielle Förderbedarf: Sprachstörungen wirken sich auf alle Unterrichtsfächer aus und benötigen eine intensive, therapienahe Begleitung. Viele Kinder bringen zudem weitere Herausforderungen mit, etwa Hör- und Wahrnehmungsstörungen, motorische Probleme oder sozial-emotionale Auffälligkeiten.

Logopädie direkt vor Ort

Gefördert werden die Mädchen und Jungen in der Schule seit drei Jahren durch eine eng angebundene Logopädie-Praxis. „Das ist besonders für Kinder, die aus anderen Orten nach Soltau kommen, ein Gewinn. Damit haben wir eine Riesenlücke schließen können. An drei Tagen in der Woche arbeiten wir Hand in Hand“, erklärt Schulleiterin Kotzschmar. Hinzu kommen Unterricht in Kleingruppen sowie tiergestützte Förderung durch einen Schulhund und Fische im Aquarium.

Spenden benötigt für therapeutisches Reitangebot

Besonders gute Erfahrungen macht die Schule seit Jahren mit ihrem therapeutischen Reitangebot in Zusammenarbeit mit dem Reit- und Fahrverein Soltau. „Das ist von vorne bis hinten Sprachförderung“, erklärt Kotzschmar. Bereits auf der Fahrt wird Fachvokabular geübt, das später beim Voltigieren oder im Umgang mit dem Pferd angewendet wird. Auf dem Rückweg folgen Sprachspiele. „Es ist die Umsetzung des gesprochenen Wortes, das führt zum Erfolg.“

Häufig könne man auf dem Pferd auch Kinder zum Sprechen bewegen, die das in bestimmten Situationen nicht tun. Allerdings kostet das Projekt Geld: Jährlich müssen dafür zwischen 1500 und 2000 Euro aus Spenden finanziert werden. Aktuell beteiligt sich die Schule deshalb an der Kreissparkassen-Aktion „Wir Wunder“.

Auch das Mitmach-Frühstück wird seit Jahren durch Ehrenamtliche und eine Bäckerei unterstützt. Gleichzeitig versucht die Schule derzeit, weitere Partner zu gewinnen, denn der Bedarf ist gestiegen. Zwischen 35 und 40 Kinder besuchen pro Jahr die Sprachförderschule.