Fehlstart auf dem Heidekreuz, Beschwerden nehmen zu

Pendlerschreck RB 37: Züge der Linie Uelzen-Munster-Soltau-Bremen gehören laut Qualitätsmonitor der Landesnahverkehrsgesellschaft zu den unzuverlässigsten in ganz Niedersachsen. Foto: ari

Seit dem 1. August wird der Zugbetrieb im Dieselnetz Niedersachsen Mitte von der DB Regio AG verantwortet. Die glücklose Unternehmenstochter Start Niedersachsen Mitte ist seitdem Bahngeschichte. Niemand durfte erwarten, dass sich mit dem Betreiberwechsel sofort alle Probleme auf den Linien RB 37 und RB 38 in Luft auflösen. Es sind die gleichen Züge und Gleise, es ist das gleiche Personal. Und doch: Die Politik, der Fahrgastverband Pro Bahn, das Land und die Unternehmen selbst haben mehrfach Verbesserungen angekündigt oder prognostiziert. Da überrascht dann doch, was Fahrgäste gleich in der Anfangsphase des neuen Betreibers erleben. Zumal sich der Betreiberwechsel nicht über Nacht vollzog, sondern schrittweise.

Größere Personal-, Werkstatt- und Fahrzeugverfügbarkeiten

„Schon jetzt ist die DB Regio dabei, in einzelnen Regionen den Betrieb zu stabilisieren und die Qualität zu verbessern“, teilte eine Sprecherin der DB Regio auf Nachfrage dieser Zeitung im März mit. Für die kommenden Monate kündigte sie die Einführung neuer Standards an, die sich positiv „auf die Personaldisposition und die Instandhaltungsprozesse“ auswirken würden.

Dass die DB Regio auf größere Personal-, Werkstatt- und Fahrzeugverfügbarkeiten zurückgreifen kann, ist unbestreitbar. Die praktischen Auswirkungen auf das Heidekreuz halten sich aber bislang in Grenzen. Zwar gelang es zuletzt, die sanierungsbedingte wochenlange Sperrung der Metronom-Strecke Hamburg-Uelzen-Hannover durch verlängerte Züge auf der Ausweich-Linie RB 38 teilweise zu kompensieren. Aber die ersten Tage seit dem Betriebsübergang wirken wie ein Fehlstart.

„Mit der Betriebsübernahme durch DB Regio hatten viele Fahrgäste die Hoffnung, dass sich die Zuverlässigkeit der Strecke verbessern würde“, heißt es in einem offenen Brief an Munsters Bürgermeister Ulf-Marcus Grube. „Stattdessen erleben wir erneut erhebliche Einschränkungen.“ Mit dem Brief fordert Bahnpendler Maik Wolski die Stadt auf, „sich gegenüber der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen, DB Regio und der Landesregierung mit Nachdruck für eine schnelle und nachhaltige Verbesserung der Situation einzusetzen“. Hintergrund sind jüngste Zugausfälle und erneuter Schienenersatzverkehr auf der Linie RB 37. „Seit Wochen kommt es immer wieder zu Zugausfällen, Verspätungen und Schienenersatzverkehr“, klagt Wolski.

Neuer Betreiber, alte Probleme

Bekannte Vorwürfe, die sich nun an DB Regio richten. „Kurzfristiger Personalausfall“, wie es beim Streckenbetreiber heißt, führt auch auf der Linie RB 38 zwischen Buchholz und Hannover wieder zu Zugausfällen und Beschwerden. Es ist ein schon übliches Szenario in den Ferienwochen.

Die DB Regio räumt die neuen alten Probleme gegenüber dieser Zeitung ein und verspricht für die kommenden Wochen „schrittweise Verbesserungen“ – zunächst benötigen Bahnkunden auf Heidekreuz aber weiter Geduld. Das gilt insbesondere für die Regionalbahn 37, auf der teilweise schon wieder ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet wurde. Wenigstens bis zum Donnerstag kommender Woche bleibt es bei dieser Notlösung. Zwischen Freitagabend und Dienstag kommt es zusätzlich zu einer baustellenbedingten Vollsperrung auf der Linie RB 38 zwischen Walsrode und Hodenhagen.

DB Regio schult zusätzliches Personal für das Heidekreuz

„Wir bedauern, dass wir zum Betriebsstart der Relation Bremen-Soltau-Uelzen aufgrund kurzfristiger krankheitsbedingter Ausfälle personelle Engpässe zu verzeichnen haben“, erklärt eine Bahnsprecherin aus Hamburg, „wir arbeiten intensiv daran, die Situation zu stabilisieren“. Bis zum 20. August verkehren die Züge der Linie RB 37 weiterhin durchgehend im Zweistundentakt, also ohne die laut Fahrplan eigentlich vorgesehenen Verstärkerzüge während der Hauptverkehrszeit. „Aufgrund eines erhöhten geplanten Instandhaltungsaufwands“ stünden „nicht ausreichend Fahrzeuge für das volle Betriebsprogramm zur Verfügung“, heißt es zur Begründung. Die gestrichenen Zugverbindungen werden durch Busse ersetzt, wodurch sich Fahrzeiten entsprechend verlängern. Reisenden empfiehlt das Bahnunternehmen, sich vor Fahrtantritt in der DB App oder über andere digitale Kanäle zu informieren und gegebenenfalls nach Alternativen zu suchen.

Man kennt die Probleme vom bisherigen Streckenbetreiber – sie sollten unter der Regie der DB Regio mit ihren größeren personellen und technischen Ressourcen aber eigentlich kleiner werden. Laut Unternehmenssprecherin wurden bereits verschiedene Maßnahmen zur Erhöhung der Betriebsstabilität eingeleitet, „darunter Anpassungen in der Dienst- und Umlaufplanung“. Die Verfügbarkeiten beim Personal sollen demnach dadurch steigen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anderer Betriebsbereiche bei Engpässen auf dem Heidekreuz einspringen. „Sie erhalten aktuell die erforderlichen Schulungen für die Strecke und die Fahrzeuge und kommen kurzfristig zum Einsatz“